Dienstag, 7. September 2010

Reisetag zurück an die Küste

Heute verlassen wir die "Grünen Berge". Ehrlich gesagt haben wir genug von Bäumen, Wald und Wurzeln. Darum haben wir entschieden, gleich direkt zurück an die Küste zu fahren und die letzten vier Tage vor New York in Cape Cod zu bleiben.

Wir checken aus und fahren ins Städchen, um zu frühstücken. Beim lokalen Bookstore ist - wie so oft in USA - ein Coffee Shop integriert. Wir bestellen unser Frühstück, bekommen einen feinen Caffe Latte in der Riesentasse und sind erstaunt über das originelle Interieur des Lokals.


Schon bald nachdem wir die Staatsgrenze zu Massachusetts überquert haben, wird die Landschaft wieder abwechslungsreicher. Es ist belebter, hat mehr Dörfer und Zivilisation. Da ist es uns doch gleich wieder wohler. Unterwegs treffen wir noch einmal auf eine besonders schöne gedeckte Brücke, die ich fotografieren muss:


Wir haben eine lange Fahrt vor uns und verbringen einige Stunden auf der Interstate. Diese Fahrten eignen sich super, um mein Reistetagebuch nachzuführen, und dank i-Pad kann ich das sogar direkt im Blog machen - wirklich sehr praktisch!

Von unserem Wanderpicknick (bin übrigens erstaunlich fit nach den gestrigen Strapazen :-) haben wir noch den Rest dabei und wollen wieder nach Ami-Manier an einem Rastplatz picknicken. Wir fahren Meile um Meile, es kommt aber einfach kein Rastplatz. Schlussendlich fahren wir runter von der Interstate auf den Parkplatz des Burger Kings, holen uns anstandshalber etwas zu trinken im Laden und essen unser Picknick da. Es versteht sich von selber, dass wenige Meilen später ein schöner Picknick-Platz gekommen wäre...

Je näher wir Boston kommen, desto breiter werden die Spuren und desto mehr Verkehr hat es. Es stockt ab und zu ein bisschen, aber wir stehen nie im Stau. Inzwischen ist die Landschaft wieder ganz flach geworden und man sieht schon die Weite im Hintergrund... da muss der Atlantik sein. Wir freuen uns aufs Meer.

Für die vier Tage in Cape Cod haben wir übers Internet ein normales Motel gebucht. Mit den schönen Inns der letzten Tage haben wir das Budget etwas überzogen, das wollen wir jetzt wieder ausgleichen. Im Days Inn in Hyannis haben wir ein Super-Angebot gesehen und es heute vor der Abreise noch gebucht. Das hat auch alles wunderbar geklappt, der Check-In läuft problemlos, und wir staunen über den sehr freundlichen, persönlichen Empfang. Über das Zimmer und die Lage des Hotels können wir dieses Mal nicht schwärmen. Aber wie gesagt, wir übernachten hier für keine 100 Dollar und Frühstück ist erst noch dabei.

Nachdem wir uns ein bisschen eingerichtet haben fahren wir nach Yarmouth, gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Franziska hat in ihrem Reisebericht von einem Naturschutzgebiet mit Steg über der Sumpflandschaft geschrieben, aber auf der Karte habe ich nirgends etwas dieser Art gefunden. Wir sehen auch keinen Wegweiser im Ort, und haben gar keine Zeit mehr zu suchen. Die Sonne steht schon tief. Also biegen wir einfach irgendwo zum Meer ab und erwischen auch einen ganz schönen Platz, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Wir ahnen bereits, dass diese Halbinsel ein wunderschönes Fleckchen Erde sein muss.



Für das Abendessen folgen wir der Empfehlung des Reiseführers und essen in einem Fischrestaurant. Nun sind wir gespannt, was wir in Cape Cod noch alles entdecken werden.

Montag, 6. September 2010

Unser abenteuerlichster Tag

Nach dem frischen Abend gestern und einer wirklich kalten Nacht montiere ich für einmal die langen Hosen. Ich bin ein bisschen demotiviert heute, habe so gar keine Lust auf Aktivitäten. Markus hingegen war bereits joggen, ist topfit und unternehmungslustig wie immer :-) Na gut, gehen wir erst mal frühstücken. An der Main Street von Manchester - das ist jene mit den Marmor-Trottoirs - finden wir eine Bakery. Zum Sitzen macht es uns allerdings nicht an, also holen wir uns zwei Latte und ein Croissant. Weiter unten habe ich gestern schon einen Coffeeshop mit Bagles im Angebot gesehen. Also "taken" wir uns noch zwei plain bagles mit plain cream cheese "away" und fahren zurück zu unserem netten Inn. In der schönen und wärmenden Morgensonne geniessen wir vor dem Haus das Frühstück.

Wir wollen als erstes auf den Mount Equinox, einer der höheren "Berge" der Umgebung mit 3848... feet, also etwas über 1000 Meter. Am Anfang des Skyline Drive versperrt eine Barriere die Einfahrt. Im Häuschen nebenan kann ich für 14 Dollar eine Münze kaufen, mit welcher sich die Barriere öffnen lässt. Der Laden ist sehr speziell... Erinnert mich an den Souveniershop beim Kloster Mariastein. Man kann Kreuze, Mariastatuen sowie diverse religiöse Bücher, CDs und DVDs kaufen. Wahrscheinlich hat das damit zun tun, dass auf dem Berg ein Karthäuser-Kloster steht.

Wir passieren also problemlos die Barriere und lassen unseren Chevy den Berg hinauf keuchen. Die Amis bauen andere Bergstrassen als wir. Das Motto ist einfach möglichst schnell oben zu sein, darum sind die Strassen sehr steil. Schon bald haben wir darum eine tolle Aussicht. Kurz vor dem Gipfel sieht man die "Carthusian Monestary", ein riesiges Anwesen! Oben angekommen haben wir ein sensationelles 360*-Panorama über die Green Mountains (grüne Berge, darum ja auch Ver-Mont). Auf dem Weg zurück werden wir erst mal gebeten, unsere Bremsen zu testen. Nach der Hälfte des Abstiegs heißt es sogar "give your brakes a brake", unglaublich die Amis :-)

Nächstes Ziel ist Stratton, ein aus dem Boden gestampfter Ferienort, hauptsächlich für Wintersport. Die Gondel fährt aber auch im Sommer und von Wanderwegen haben wir auch gelesen. Im "Mountain Resort" soll es zudem schöne Shops haben, das wird meine Stimmung heben. Mit der modernen Gondel mit 12er-Kabinen sind wir in 10 Min. auf dem Berg. Wir wandern zum Fire Tower, den man besteigen kann. Tatsächlich konnten die Rangers früher von diesem Turm aus allfällige Feuer entdecken, die Sicht ist fantastisch. Der Appalachian Trail kommt übrigens hier durch, das ist einer der längsten Fernwanderwege der Welt (3440 km!!), welcher durch 14 US-Staaten führt.



Wir entdecken einen Wegweiser zum Stratton Pond, 3.2 Meilen sind es zu wandern. Ich zögere, es ist schon fast zwei Uhr und den Weg müssen wir ja auch wieder zurück, damit sind es letztendlich 6.4 Meilen... Also etwa 10 km! Markus ist zuversichtlich, das schaffen locker in einer Stunde pro Weg. Wir haben Brot und Käse im Rucksack und ich stelle es mir romantisch vor, am See zu picknicken... also los! Erst scheint uns der Wanderweg richtig schön. Er führt uns durch dichten Wald, ab und zu an einem Bächlein vorbei und es kommen und dann und wann freundlich grüßende Wanderer entgegen. Es geht stetig hinunter und mir kommt der Gedanke, dass ich das alles auch wieder hinauf wandern muss... Auch nach einer Dreiviertelstunde sehen wir immer noch nichts ausser Wald. Die nächsten Wanderer fragen wir, wie weit es noch sei bis zum See und sie meinen: eine halbe Stunde. Meine Motivation sinkt, die Stimmung auch. Wir überlegen kurz umzukehren aber wir sind beide hungrig und mitten im Wald wäre das Picknick sehr ungemütlich. Ich muss ganz schön beißen und darf nicht daran denken, dass ich den ganzen Weg auch noch zurück gehen muss. Als wir endlich den See erblicken, kann ich mich gar nicht so freuen und das feine Picknick mit dem Greyerzerkäse kann ich nicht geniessen.


Inzwischen ist es nach vier Uhr und wir haben mit Schrecken festgestellt, dass wir es wahrscheinlich nicht rechtzeitig zurück schaffen werden, um mit der Gondel wieder zurück nach Stratton zu fahren. Wir hoffen mal auf die üblichen amerikanischen Öffnungszeiten, was heissen würde, dass die Bahn mindestens bis acht Uhr abends fährt... :-)

Wir wenden für den Rückweg die Marathon-Taktik von Markus an. Das heisst, wir teilen den Weg in drei Halbestunden... das macht es für mich mental etwas einfacher. Tatsächlich geht der Rückweg ganz gut und ich bin echt happy, als wir nach eineinhalb Stunden wieder aus diesem dunklen Wald herauskommen und zurück beim Turm sind. Nun heisst es rasch auf der Krete zurück zur Bahn und hoffen... Aber wir sehen schon von weitem, dass die Gondeln stehen... Super. So steht uns also noch ein steiler Abstieg unterhalb der Gondel bevor. Mein linkes Knie schmerzt schon länger und ich weiss, dass ich leiden werde beim absteigen. Ich kann nur langsam gehen, denn der Weg über die Wiese ist richtig steil. Mit der Zeit muss ich sogar alle paar Schritte anhalten, so sehr schmerzt das Knie. Markus ist zum Glück geduldig, sucht mir einen Gehstock und stützt mich, so gut es geht.



Kurz vor dem Sonnenuntergang und vor dem Nervenzusammenbruch kommen wir unten an. Ich bin so erleichtert und einfach nur froh, dass ich meine Beine im Auto strecken kann. Das war ein Tag, daran werden wir uns noch lange erinnern...

Sonntag, 5. September 2010

Weiter nach Vermont

Von den White Mountains geht es heute weiter in die Green Mountains. Wir stärken uns beim gemütlichen Frühstück also wieder für die längere Fahrt und sagen Jackson "Bye-Bye". Das Wetter ist auch heute eher durchzogen. Es hat Wolken und ist immer noch frisch. Genau richtig für einen Reisetag.

Auf der Fahrt durch Conway halten wir beim nostalgischen Bahnhof an und haben Glück, dass die alte Diesel-Lok gerade bereit zur Abfahrt steht.




Wir fahren erst noch südlich durch New Hampshire, das uns wirklich sehr gut gefällt. Die Landschaft ist so abwechslungsreich, weil sie immer wieder von hübschen Dörfern und kleinen oder auch großen Seen mit Inseln darin gespickt ist. Einer davon ist der Lake Winniepesaukee, den wir uns von oben anschauen wollen. Der Reiseführer empfiehlt dazu das "Castle in the Cloud", ein rustikales Restaurant auf 230m Höhe über dem Seespiegel. Die Aussicht ist traumhaft. Wir trinken gemütlich einen Kaffee, fahren weiter nach Meredith und wechseln dann auf den Highway 4 Richtung Westen zur Staatsgrenze zu Vermont.

Ich hätte es nicht gedacht, aber man merkt jeweils sofort, dass man in einem anderen Bundesstaat ist. Hier in Vermont sind die Häuser anders, ländlicher. Es scheint uns auch ein bisschen weniger gepflegt zu sein, sogar fast ein bisschen heruntergekommen. Auch die Landschaft ist eintöniger, denn sie beschränkt sich auf Dörfer und Wälder. Am Strassenrand werden häufig Antiquitäten angeboten, manchmal in kleinen Shops, oft aber auch einfach vor dem Haus oder in der Garage. Wir durchqueren das schmale Land von Osten nach Westen und vermuten, das es auf der anderen Seite etwas "zivilisierter" wird. Tatsächlich: je näher wir Manchester, unserem Tagesziel, kommen desto belebter wird die Umgebung.

Wir haben uns nochmal ein Inn ausgesucht: Das Barnstable Inn. Von aussen hat es schon so toll ausgesehen, aber die Besitzer waren gerade nicht da. Wir mussten eine halbe Stunde warten, bis wir wussten, dass wir ein Zimmer bekommen und bis wir das Ganze auch von innen anschauen konnten. Aber das Warten hat sich gelohnt.



Den Mexikaner, den wir eigentlich fürs Dinner vorgesehen hatten, haben wir nicht auf Anhieb gefunden. Spontan halten wir bei einem Lokal an, das von aussen schon interessant aussieht. Tatsächlich ist es was ganz besonderes. Man diniert inmitten von Antiquitäten, welche hier nebst Holzofenpizza und türkischen Spezialitäten zum Verkauf angeboten werden. Ein tolles Konzept, wir sind begeistert!

Samstag, 4. September 2010

Wolken und Wind

Über die spezielle Atmosphäre der Country Inns in Neuengland haben wir viel gelesen. Vorallem auch im Reisebericht von Franziska und Jürg, den wir immer wieder gerne zu Rate gezogen haben. Oft habe ich (dank i-Pad sogar während der langen Auto-Fahrten) Markus daraus vorgelesen und wir haben uns amüsiert ob der Vorstellung, wie Franziska sich über Blümchentapeten und Kamin im Zimmer freut, während Jürg sich überlegt, wie er wieder auf das hohe Bett kommen soll :-) Vielen Dank und einen lieben Gruss an dieser Stelle an die beiden! Auch wir haben einen (elektrischen) Kamin im Zimmer und ins und aus dem Bett zu steigen ist immer eine Herausforderung! Wenn man auf dem Bettrand sitzt baumeln die Füsse jedenfalls noch in der Luft... Zum Frühstück wird man bedient, nur Kaffee und Saft gibt's vom Buffett. Markus kriegt wie bestellt seine Eggs mit Broccoli und ich einen feinen Blueberry-Pancake.... Mmhhh! Die selbstgebackenen Zucchini-Chocolate-Muffins nehmen wir mit auf den Weg.

Der Plan heute: Gipfel des Mount Washington! Noch offen: selber fahren (und einen Kleber "this car climbed Mt. Washington" angebracht bekommen) oder mit der "cog", der ältesten Zahnradbahn der Welt, hochzufahren. Markus wäre für Letzteres, was mir aber nicht so geheuer ist. Diese Bahn kriecht mit teilweise 37 Grad Steigung auf den Berg!! Wir beschliessen, uns das erst mal genauer anzusehen. Bei der Fahrt aus Jackson raus kann ich gleich noch die wunderschöne Covered Bridge knipsen, die den Dorfeingang ziert.

Auf der malerischen Crawford Notch Road (302) fahren wir direkt in die White Mountains hinein. Spontan halten wir an einem kleinen See, denn die Kulisse mit Berg, Wald und blauem Himmel ist ein Foto wert. Während Markus den besten Aussichtspunkt sucht, beobachte ich die süße Entenfamilie im See. Plötzlich sehe ich am linken Ufer einen Elch durchs Wasser waten. Ausser mir scheint es noch niemand bemerkt zu haben und ich schaue noch mal hin! Doch, es ist tatsächlich ein Elch. Ich gebe Markus ein Zeichen, und er kann ein paar Bilder schiessen. Kurz darauf entdecken die anderen Touristen den hübschen Besucher und die Kinder rennen auf ihn zu. Da ergreift er natürlich die Flucht... das war's! Aber wir haben ja ein Foto ;-)

Ein paar Kilometer weiter in Bretton Woods erscheint erhaben und prächtig, wie im Reiseführer beschrieben, rechter Hand das Mount Washington Resort. Das 1902 eröffnete Hotel wurde nach dem zweiten Weltkrieg bekannt, als namhafte Politiker hier den Internationalen Währungsfonds gründeten und der US-Dollar als Leitwährung festgelegt wurde. Das heutige Four-Seasons-Haus liegt wunderschön am Fuss des Mt. Washington, dessen Spitze heute von dicken Wolken bedeckt ist. Wir sehen die steile Bahn, sie führt direkt in die Wolken. Optimistisch hoffen wir auf einen Windstoss, der sie wegbläst und schauen uns inzwischen das eigentliche Skigebiet von Bretton Woods an. Mit einem Zweiersessel fahren wir hoch und sehen künstlich angelegte Pisten und etliche Vorrichtungen für Schneekanonen von oben. So macht man das hier in Amerika.

Vom Gipfel können wir den berühmten Berg und das Resort schön sehen. Die Wolken sind aber immer noch da, trotz des frischen Windes, der inzwischen eingesetzt hat. Nach dem Lunch im Bergrestaurant wandern wir gemütlich zurück zum Auto.


Wir verschieben die Bergerklimmung erstmal und fahren über das Franconia Notch (= Tal). Allein hier gäbe es genügend Stopps für einen ganzen Tag einzulegen. Alle paar Kilometer stehen Hinweisschilder an der Strasse.

Wir halten bei Le Basin und verbringen eine Stunde in diesem Märchenwald mit dem idyllischen Bächlein.



Über den Kangamasus Pass fahren wir wieder Richtung Jackson zurück, natürlich nicht ohne auf der Passhöhe ein paar schöne Fotos zu schiessen.
In Conway soll es eine Mall mit Outlet-Läden geben, das lassen wir uns nicht entgehen. Wir sind überrascht wie gross und kundenfreundlich die vielen Läden sind und die Qualität der Ware macht einen super Eindruck. Wir geben uns der Kauflust hin und kommen mit einigen Taschen zurück.

Ein weiteres typisches Amerika-Dinner im Pizza-Hut bildet den Abschluss dieses erlebnisreichen Tages.

Freitag, 3. September 2010

Szenenwechsel: White Mountains

Es tut ein bisschen weh, vom wunderschönen "The Bayview" Abschied zu nehmen. Es war eine tolle Zeit hier. Aber der Zeitpunkt ist schon der Richtige. Es ist ein Sturm angesagt, der sich gegen heute abend der Küste entlang austoben soll. Also machen wir uns lieber auf den Weg ins Landesinnere.




Vorher wollen wir uns aber noch das bekannte Lighthouse im Süden von Mount Desert Island anschauen. Wir sind früh unterwegs und kommen problemlos durch den Verkehr. Diese Insel ist einfach wunderschön. Man könnte alle paar Minuten anhalten und fotografieren.

Beim Leuchtturm klettern wir über die Klippen und finden eine tolle Perspektive, um zu fotografieren. Zugegeben, man hat sich diese Sehenswürdigkeit etwas grösser vorgestellt, aber er schaut doch ganz nett aus.

Nun steht uns die vierstündige Fahrt in die White Mountains bevor. Die Landschaft verändert sich mit jeder Stunde merklich. Von wildromantisch am Meer zur grünen Wald- und Hügellandschaft von New Hampshire. Je näher wir unserem Tagesziel Jackson kommen, desto höher werden die Hügel. Irgendwann können wir den Mount Washington dann auch sehen, welcher mit 1917m der höchste Berg des Nordostens der USA ist. Nicht mal 2000m, möchte man als Schweizer denken... aber der Berg ist tatsächlich beeindruckend. Wir finden schnell ein Hotel in Jackson und scheinen wieder ein glückliches Händchen gehabt zu haben. Das "Inn at Jackson" ist ein charmantes Bed&Breakfast, unser Zimmer allerliebst romantisch. Eigentlich ist das nicht so unser Ding... aber hier passt es einfach! Wir geniessen es jedenfalls und freuen uns darauf, uns nach der langen Fahrt auf diesem schönen Bett auszuruhen.

Unser Dinner im örtlichen Steakhouse war sehr unterhaltsam und so richtig typisch amerikanisch. Das Restaurant war proppenvoll, wir mussten etwa 20 Minuten warten. Man wird mit einem Buzzer ausgerüstet, der surren wird, sobald ein Tisch bereit ist. Also setzen wir uns an die Bar, trinken ein Bierchen und schauen ein bisschen US-Open auf einem der 32 Plasma-Bildschirme mit 72cm Bildfläche ;-) Das Surren erschrekt die ganzen Gäste an der Bar, so laut ist es. So richtig erstaunlich wird es dann aber, als wir zu unserem Tisch geführt werden. Der Ess-Saal gleicht von der Grösse her einer Turnhalle und 99% der Anwesenden sind Familien mit 3-6 Kindern! Wir kommen an ein paar Tischen vorbei, an welchen keine Leute mehr sitzen, sondern nur noch das, was sie zurückgelassen haben. Berge von Tellern, Gläsern, Servietten, leeren Ketchup-Flaschen... Wir brauchen einen Moment, um uns anzuklimatisieren. Markus meint, das passe schliesslich zu unserem Familien-Wagen. Also stellen wir uns auf einen Familien-Abend ein! Schlussendlich esse ich meine Baby-Back-Ribs mit Genuss und Markus verdrückt ein saftiges Angus-Steak! Welcome in America!


Donnerstag, 2. September 2010

On the (Park Loop-)Road

Eagle Lake im Hintergrund
In unserem wunderschönen Hotel geniessen wir zu Beginn eines weiteren sonnigen Tages ein herrliches Frühstück mit Meersicht. Das Buffet ist mit viel Liebe zubereitet und bietet etliche selbstgebackene Süssigkeiten. Auch Müesli, Rührei und verschiedene Sorten Brot fehlen nicht!

Wir besprechen wie immer beim zweiten Kaffee die Tagesgestaltung. Heute wollen wir uns den Acadia National Park etwas näher anschauen. Am Visitor Center decken wir uns mit Karten und Infoprospekten ein und kaufen unseren Eintritts-Pass. Dann kann's losgehen.

Wir fahren zuerst den Mount Cadillac hoch, um uns ein Bild von oben zu machen. Schon nach wenigen Minuten müssen wir das erste Mal anhalten, um den Eagle Lake zu fotografieren. Spektakulärer wird es dann aber, als wir oben ankommen. Die Aussicht ist wirklich atemberaubend und wir verbringen über eine Stunde auf dem Gipfel und machen Fotos von der schönen Landschaft rundherum.



Hier liegen übrigens Granitsteine aller Grössen und Formen herum. Wie sind die nur hier auf den Berg gekommen? Einer gefällt mir besonders gut, aber ich schaffe es nicht, ihn aufzuheben. Markus eilt zur Hilfe, aber kurz bevor er ihn ins Auto gehieft hat, habe ich es mir anders überlegt. Er ist vielleicht doch ein bisschen gross für unseren Balkon... ;-)



Eine 27 Meilen lange Rundstrasse, welche sich Park Loop Road nennt, führt uns weiter durch den Park. Der nächste Stop ist am Sand Beach, welches sich als wunderschöner Badestrand herausstellt. Tatsächlich hat es auch hier ganz Hartgesottene, die im etwa 16 Grad kalten Wasser baden. Es geht schon langsam gegen Mittag und die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel. Hier direkt am Meer geht aber eine angenehme Brise, die wir für ein Weilchen geniessen.


Weiter führt uns der Loop zum Otter Point, wo wieder riesige Granitsteine der Küste entlang liegen, wie wenn sie jemand fein säuberlich aufgeschichtet hätte. Zusammen mit dem Spiel der Wellen und dem wolkenlosen Himmel bietet sich uns wieder eine Postkarten-Szenerie, die wir gerne auf uns wirken lassen.



Unsere im Supermarkt gekauften Sandwiches und Nektarinen geniessen wir ganz in Ami-Manier im Schatten eines Parkplatzes auf der Heck-Ladefläche unseres "Familien-Wagens", wie Markus immer sagt. Dann folgen wir weiter dem Loop zum Jordan Pond. Dies scheint ein grösserer Touristen-Magnet zu sein, denn der grosse Parkplatz ist fast voll. Am See liegt ein gediegenes Restaurant, welches auch im Reiseführer sehr gelobt wird.

Wir verschieben den Kaffee auf später und spazieren zuerst mal zum See hinunter. Er ist länglich und wir stehen am einen schmalen Ende. Das andere schmale Ende kann man beinahe sehen und wir überlegen uns, wie lange die Wanderung um den See wohl dauern würde. Wir wenden Markus' Taktik an und wandern einfach mal los... ;-) Auf den teilweise leicht sumpfigen Wegen wurden schöne Holzstege gebaut, auf welchen man bequem laufen kann. Wir kommen gut voran und bald ist klar, hier kehren wir nicht um sondern laufen einmal rund um den See.




Der Weg auf der anderen Seite zurück wird recht anstrengend, weil wir fast alles in der Sonne wandern müssen. Aber gegen Ende werden wir mit einer tollen Aussicht über den See und die dahinterliegenden Hügel belohnt. Und im Restaurant warten natürlich Kaffee und Ice-Cream auf uns, mmmmhhhhh - das haben wir uns verdient!


Die Park Loop Road führt uns wieder zurück zum Parkeingang und wir sind um halb fünf zurück im Hotel. Wir hüpfen noch kurz in den Pool - eine herrliche Abkühlung! Diesen wunderbaren Tag lassen wir in einem der besseren Restaurants des Ortes ausklingen. Das haben wir aber erst gemerkt, als wir schon drin waren :-) Interessant in Amerika ist ja immer, je teurer das Restaurant... desto kleiner die Portionen. OK, das mag in Europa ähnlich sein. Aber in den Staaten kriegt man in "normalen" Restaurants immer XXL-Portionen. Dann fällt eine kleine Portion wohl einfach viel mehr auf :-)

Mittwoch, 1. September 2010

Nordwärts zum Acadia National Park

Ein Continental Breakfast ist in der Übernachtung  im Juniper Inn inbegriffen. Das macht es an Abreisetagen immer etwas einfacher, weil man erst frühstücken und dann noch in aller Ruhe packen kann! Wir fahren also etwa um halb zehn los Richtung Norden. Leider sehen wir von der Route 1 aus nur selten aufs Meer und wechseln darum bald mal auf den Freeway.



Wir haben heute zwei ToDo's auf der Liste. Erstens wollen wir kurz bei Avis vorbei, weil der Tempomat unseres Wagens nicht funktioniert. Und dann will Markus noch einen Apple Store aufsuchen, weil er seine AT+T-PrePaid-Karte fürs I-Pad nicht aktivieren kann. Wenn diese funktionieren würde, könnten wir auch unterwegs surfen, was mit unseren I-phones wegen den hohen Roaming-Gebühren nicht empfehlenswert ist. Also fahren wir erst an den Flughafen von Portland zu Avis um zu erfahren, dass die "Cruise Control" nicht garantiert ist. Wir müssen also wohl oder übel das Gas selber regulieren, was ja auch keine Katastrophe ist.

Der Apple Store liegt in der Maine Mall, gleich um die Ecke vom Flughafen. Und dummerweise ist diese Maine Mall ein superschönes Shoppingcenter. So kommt es, dass wir uns die vielen schönen Läden schon ein bisschen genauer anschauen müssen. Der Abercrombie&Fitch-Laden ist sensationell. Das Licht ist so gedämpft und die Musik so laut, dass man sich fast wie in einem Club vorkommt. Einmal mehr kommt Markus mit vollen Taschen aus dem Laden und ich mit leeren Händen... "Wieder viiiel Geld gespart" denke ich zweckoptimistisch... :-) Im Apple Store konnte man uns nicht helfen, aber im AT&T-Shop haben sie uns einen Tipp, der funktionieren könnte. Wir verpflegen uns noch kurz im Food Corner. Beim Japaner wird ein Chicken Lemon als Tagesmenü angeboten, welches superlecker schmeckt! Nun aber hopp-hopp weiter nordwärts!

Das Städchen Saco
Wir haben ein paar Stunden Fahrt vor uns, aber das Wetter ist gut und der Verkehr ist mitten im Nachmittag ganz angenehm. In Bangor verlassen wir den Freeway und fahren auf der Landstrasse hinunter Richtung Mount Desert Island, auf welcher sich der Acadia N.P. befindet. Jetzt wird es landschaftlich wieder interessant. Wir sehen immer wieder aufs Meer und auf kleine Inseln, die von schönen Schiffen umsegelt werden. Unterwegs stoppen wir mal bei Dunkin' Donats, um einen "Iced Coffee" zu kaufen. Das haben wir uns bei den heissen Temperaturen angewöhnt. Eine tolle Kombination von Koffein-Nachschub und Erfrischung.

Etwa um fünf Uhr kommen wir in Bar Harbor an. Eine Hotelreservation haben wir nicht, aber der Strasse entlang haben wir schon viele Motels mit "Vacancy" gesehen. Wir fahren zwei, drei der schöneren Häuser an, aber entweder sind sie ausgebucht oder über unserem Budget. Letztendlich entdecken wir das "The Bayview", welches direkt an der Küste liegt. Sie haben ein Zimmer frei und zeigen uns dies gerne. Mamma Mia, diese Aussicht... und so ein hübsches Zimmer. Wir waren begeistert. Und der sehr nette, persönliche Empfang liess erahnen, dass man hier sehr gut aufgehoben ist. Die kleine Nebensache des Preises liess uns zwar kurz zusammenzucken, aber wir waren uns einig, dass wir uns diese zwei Nächte hier jetzt einfach leisten.

Wir machen es uns im Zimmer bequem und ruhen uns aus, um wieder fit für den Spaziergang ins Städtchen zu sein. Die nette Dame an der Reception hat uns ein paar Restaurants empfohlen und wir essen exzellent im Café "This Way", in einer modernen, jugendlichen Atmosphäre. Nach dem Essen flanieren wir noch ein bisschen durch die Strassen von Bar Harbor, machen dann aber Gebrauch vom angebotenen Shuttle Service unseres Hotels. Ein Anruf genügt und wir werden vom Hotel sicher zurück gebracht.

Von der langen Reise und den wieder sehr heissen Temperaturen sind wir ziemlich geschafft und gehen früh schlafen. Morgen werden wir uns den Nationalpark ansehen, darauf freue ich mich!