Donnerstag, 9. September 2010

Provincetown - eine kleine Welt für sich!

Markus macht morgens den Vorschlag, etwas vom wenig einladenden Frühstücksraum aufs Zimmer zu holen. Eine tolle Idee, das Frühstück auf unserem sonnigen Balkon ist doch viel gemütlicher.

Heute wollen wir an die äusserste Spitze der Halbinsel, nach Provincetown. Im Reiseführer wird das Städtchen mit Key West verglichen. Wir sind gespannt.

Einen ersten Stop legen wir in Truro, am Corn Hill Beach ein, welcher im Reiseführer als aussergewöhnlich schön beschrieben wird. Besonders schön finden wir vorallem den Weg zum Strand:


Der Strand selber ist zwar kilometerlang, aber nicht wirklich einladend...

Aber wir haben ja sowieso andere Pläne und fahren weiter in Richtung Norden. Wir fahren nicht auf der Autobahn, sondern auf der alten Landstrasse und geniessen die Fahrt durch wunderschöne, malerische Orte. Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich idyllischer gewesen, in einem dieser Orte zu wohnen, als in Hyannis an der Hauptstrasse...

Kurz vor Provincetown erscheinen links und rechts der Strasse erste Dünenhügel...

...und das berühmte Pilgrim Monument in Provincetown sieht man schon von weitem. Das Navi führt uns durch irgendwelche Quartierstrassen zum Monument. Darum kommen wir quasi über den Friedhof, was doch ein schönes Fotomotiv ergibt.

Der Turm ist dem Torre del Mangia in Siena nachgebaut und wurde von 1907 bis 1910 für die Pilgerer, die 1620 hier an Land gekommen sind, erbaut. Vom 77 Meter hohen Turm hat man eine super Aussicht über das Städchen Provincetown und die Umgebung.


Der Ort selber ist wirklich hübsch, ziemlich touristisch zwar, aber es hat viele niedliche Läden. Wir flanieren ein bisschen und essen etwas zu Mittag. Dann fahren wir so nahe an die absolut äusserste Spitze, wie möglich. Ganz hinaus zum schönen Leuchtturm kann man leider nicht fahren. Wir entdecken aber das Wehr aus grossen Felsklötzen, welches weit in die Bucht hineinführt. Wir springen über die lange Mauer, immer weiter... und sehen überrascht, dass sie sogar bis zum anderen Ende führt, wo man dann zu Fuss zum Leuchtturm gehen kann. Wir geniessen diesen speziellen Spaziergang und können tolle Fotos knipsen.

Zurück beim Auto ist es schon Zeit, an den Rückweg zu denken. Wir machen noch einen Stop in Wellfleet, in einem ebenfalls wunderhübschen Städchen und essen in einem romantischen Restaurant im Freien unter schönen Bäumen. Das war wieder ein wunderschöner Tag!

Mittwoch, 8. September 2010

Von Plänen und deren Änderungen

Das Continental Breakfast ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was wir von den letzten Unterkünften gewohnt sind. In einem unpersönlichen Raum steht ein Buffet zur Selbstbedienung und man kämpft mit französischen Senioren (Reisegruppe) um einen Platz am Toaster :-) Das Angebot ist überhaupt nicht klein, aber gegessen wird aus Plastikgeschirr. Wir lassen für den Moment mal offen, ob wir uns das morgen wieder antun, oder ob wir uns dann einen anderen Frühstücksplatz suchen.

Wir möchten heute eine Velotour in Falmouth machen, die im Reiseführer so schön beschrieben ist. Während der Fahrt in den Südwesten der Halbinsel verschlechtert sich das Wetter und es beginnt sogar zu regnen. Es sieht zwar nicht nach Wolkenbruch aus, und ein bisschen Regen wäre auch keine Katastrophe auf dem Fahrrad. Aber es windet stark und ist kühler geworden.

Darum fahren wir erst mal weiter nach Woods Hole und spazieren da ein bisschen durch den hübschen Ort. Am Hafen schauen wir zu, wie die Fähre nach Martha's Vineyard beladen wird. Es hat zwei kleine Inseln vor Cape Cod, die man mit der Fähre erreichen kann, Nantucket ist die zweite. Von beiden haben wir viel Gutes gelesen, vielleicht machen wir ja noch einen Ausflug auf die eine oder andere. Im Ort hat es viele kleine Restaurants, natürlich auch wieder mit Fisch- und Seafood-Spezialitäten. Die Deko des einen Lokals haben wir fotografiert. Dies sind Bojen, mit welchen die Stellen für Lobsterfang markiert werden. Wir haben die immer wieder an der Küste schwimmen gesehen.



Da das Wetter unbeständig bleibt müssen wir unser Programm ändern. Wir fahren erst mal weiter nach Old Silver Beach, welcher als einer der schönsten der Halbinsel beschrieben wird. Der starke Wind scheint aber nun doch die Wolken etwas zu verwehen und während unseres Spaziergangs entlang des langen Strandes wird der Himmel immer freundlicher.



Wir entscheiden uns, zurück nach Hyannis zu fahren um uns am Nachmittag das Städtchen anzusehen. An der Hauptstrasse finden wir gleich einen Parkplatz und per Zufall befindet sich dieser gleich vor einem kleinen Thai Restaurant. Markus' Augen leuchten, na gut, dann essen wir halt ein Curry zum Lunch :-)

Entlang der hübschen Main Street mit vielen Geschäften und Restaurants spazieren wir in Richtung JFK-Museum. Die Familie Kennedy hatte von jeher hier eine Sommerresidenz, auch als J.F. noch klein war. Auch heute besteht das Anwesen noch und die Nachkommen verbringen die Sommermonate hier. Zu Ehren des berühmten Sommergastes hat man ein Museum errichtet, das wir uns ansehen. Wir erfahren viel über die Sommerferien-Aktivitäten des beliebten ehemaligen US-Präsidenten. Und über die Familie selber wird auch viel berichtet.


Am Hafen von Hyannis steht ausserdem ein schönes Monument, welches ebenfalls zu Ehren von J.F. Kennedy errichtet wurde, und das sehen wir uns natürlich auch noch an. Wie man sieht ist das Wetter inzwischen schön geworden, und es ist auch wieder richtig warm.



Wir erfrischen uns mit einem Bierchen am Hafen und entdecken da auch gleich ein Restaurant, welches uns der nette Herr an der Reception schon empfohlen hat. Erstmal fahren wir aber zurück zum Hotel und halten auf dem Weg bei der örtlichen Shopping Mall.... wir müssen noch einen Koffer kaufen :-)

Das Nachtessen bei Spankys ist witzig, das Personal ist durchwegs sehr jung und fröhlich. Anscheinend hat man kürzlich einen Gastro-Preis gewonnen und das Lokal ist wirklich voll. Ein Verdauungsspaziergang am Hafen beendet diesen schönen Tag, der trotz wettertechnischer Planänderung ganz schön geworden ist.

Dienstag, 7. September 2010

Reisetag zurück an die Küste

Heute verlassen wir die "Grünen Berge". Ehrlich gesagt haben wir genug von Bäumen, Wald und Wurzeln. Darum haben wir entschieden, gleich direkt zurück an die Küste zu fahren und die letzten vier Tage vor New York in Cape Cod zu bleiben.

Wir checken aus und fahren ins Städchen, um zu frühstücken. Beim lokalen Bookstore ist - wie so oft in USA - ein Coffee Shop integriert. Wir bestellen unser Frühstück, bekommen einen feinen Caffe Latte in der Riesentasse und sind erstaunt über das originelle Interieur des Lokals.


Schon bald nachdem wir die Staatsgrenze zu Massachusetts überquert haben, wird die Landschaft wieder abwechslungsreicher. Es ist belebter, hat mehr Dörfer und Zivilisation. Da ist es uns doch gleich wieder wohler. Unterwegs treffen wir noch einmal auf eine besonders schöne gedeckte Brücke, die ich fotografieren muss:


Wir haben eine lange Fahrt vor uns und verbringen einige Stunden auf der Interstate. Diese Fahrten eignen sich super, um mein Reistetagebuch nachzuführen, und dank i-Pad kann ich das sogar direkt im Blog machen - wirklich sehr praktisch!

Von unserem Wanderpicknick (bin übrigens erstaunlich fit nach den gestrigen Strapazen :-) haben wir noch den Rest dabei und wollen wieder nach Ami-Manier an einem Rastplatz picknicken. Wir fahren Meile um Meile, es kommt aber einfach kein Rastplatz. Schlussendlich fahren wir runter von der Interstate auf den Parkplatz des Burger Kings, holen uns anstandshalber etwas zu trinken im Laden und essen unser Picknick da. Es versteht sich von selber, dass wenige Meilen später ein schöner Picknick-Platz gekommen wäre...

Je näher wir Boston kommen, desto breiter werden die Spuren und desto mehr Verkehr hat es. Es stockt ab und zu ein bisschen, aber wir stehen nie im Stau. Inzwischen ist die Landschaft wieder ganz flach geworden und man sieht schon die Weite im Hintergrund... da muss der Atlantik sein. Wir freuen uns aufs Meer.

Für die vier Tage in Cape Cod haben wir übers Internet ein normales Motel gebucht. Mit den schönen Inns der letzten Tage haben wir das Budget etwas überzogen, das wollen wir jetzt wieder ausgleichen. Im Days Inn in Hyannis haben wir ein Super-Angebot gesehen und es heute vor der Abreise noch gebucht. Das hat auch alles wunderbar geklappt, der Check-In läuft problemlos, und wir staunen über den sehr freundlichen, persönlichen Empfang. Über das Zimmer und die Lage des Hotels können wir dieses Mal nicht schwärmen. Aber wie gesagt, wir übernachten hier für keine 100 Dollar und Frühstück ist erst noch dabei.

Nachdem wir uns ein bisschen eingerichtet haben fahren wir nach Yarmouth, gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Franziska hat in ihrem Reisebericht von einem Naturschutzgebiet mit Steg über der Sumpflandschaft geschrieben, aber auf der Karte habe ich nirgends etwas dieser Art gefunden. Wir sehen auch keinen Wegweiser im Ort, und haben gar keine Zeit mehr zu suchen. Die Sonne steht schon tief. Also biegen wir einfach irgendwo zum Meer ab und erwischen auch einen ganz schönen Platz, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Wir ahnen bereits, dass diese Halbinsel ein wunderschönes Fleckchen Erde sein muss.



Für das Abendessen folgen wir der Empfehlung des Reiseführers und essen in einem Fischrestaurant. Nun sind wir gespannt, was wir in Cape Cod noch alles entdecken werden.

Montag, 6. September 2010

Unser abenteuerlichster Tag

Nach dem frischen Abend gestern und einer wirklich kalten Nacht montiere ich für einmal die langen Hosen. Ich bin ein bisschen demotiviert heute, habe so gar keine Lust auf Aktivitäten. Markus hingegen war bereits joggen, ist topfit und unternehmungslustig wie immer :-) Na gut, gehen wir erst mal frühstücken. An der Main Street von Manchester - das ist jene mit den Marmor-Trottoirs - finden wir eine Bakery. Zum Sitzen macht es uns allerdings nicht an, also holen wir uns zwei Latte und ein Croissant. Weiter unten habe ich gestern schon einen Coffeeshop mit Bagles im Angebot gesehen. Also "taken" wir uns noch zwei plain bagles mit plain cream cheese "away" und fahren zurück zu unserem netten Inn. In der schönen und wärmenden Morgensonne geniessen wir vor dem Haus das Frühstück.

Wir wollen als erstes auf den Mount Equinox, einer der höheren "Berge" der Umgebung mit 3848... feet, also etwas über 1000 Meter. Am Anfang des Skyline Drive versperrt eine Barriere die Einfahrt. Im Häuschen nebenan kann ich für 14 Dollar eine Münze kaufen, mit welcher sich die Barriere öffnen lässt. Der Laden ist sehr speziell... Erinnert mich an den Souveniershop beim Kloster Mariastein. Man kann Kreuze, Mariastatuen sowie diverse religiöse Bücher, CDs und DVDs kaufen. Wahrscheinlich hat das damit zun tun, dass auf dem Berg ein Karthäuser-Kloster steht.

Wir passieren also problemlos die Barriere und lassen unseren Chevy den Berg hinauf keuchen. Die Amis bauen andere Bergstrassen als wir. Das Motto ist einfach möglichst schnell oben zu sein, darum sind die Strassen sehr steil. Schon bald haben wir darum eine tolle Aussicht. Kurz vor dem Gipfel sieht man die "Carthusian Monestary", ein riesiges Anwesen! Oben angekommen haben wir ein sensationelles 360*-Panorama über die Green Mountains (grüne Berge, darum ja auch Ver-Mont). Auf dem Weg zurück werden wir erst mal gebeten, unsere Bremsen zu testen. Nach der Hälfte des Abstiegs heißt es sogar "give your brakes a brake", unglaublich die Amis :-)

Nächstes Ziel ist Stratton, ein aus dem Boden gestampfter Ferienort, hauptsächlich für Wintersport. Die Gondel fährt aber auch im Sommer und von Wanderwegen haben wir auch gelesen. Im "Mountain Resort" soll es zudem schöne Shops haben, das wird meine Stimmung heben. Mit der modernen Gondel mit 12er-Kabinen sind wir in 10 Min. auf dem Berg. Wir wandern zum Fire Tower, den man besteigen kann. Tatsächlich konnten die Rangers früher von diesem Turm aus allfällige Feuer entdecken, die Sicht ist fantastisch. Der Appalachian Trail kommt übrigens hier durch, das ist einer der längsten Fernwanderwege der Welt (3440 km!!), welcher durch 14 US-Staaten führt.



Wir entdecken einen Wegweiser zum Stratton Pond, 3.2 Meilen sind es zu wandern. Ich zögere, es ist schon fast zwei Uhr und den Weg müssen wir ja auch wieder zurück, damit sind es letztendlich 6.4 Meilen... Also etwa 10 km! Markus ist zuversichtlich, das schaffen locker in einer Stunde pro Weg. Wir haben Brot und Käse im Rucksack und ich stelle es mir romantisch vor, am See zu picknicken... also los! Erst scheint uns der Wanderweg richtig schön. Er führt uns durch dichten Wald, ab und zu an einem Bächlein vorbei und es kommen und dann und wann freundlich grüßende Wanderer entgegen. Es geht stetig hinunter und mir kommt der Gedanke, dass ich das alles auch wieder hinauf wandern muss... Auch nach einer Dreiviertelstunde sehen wir immer noch nichts ausser Wald. Die nächsten Wanderer fragen wir, wie weit es noch sei bis zum See und sie meinen: eine halbe Stunde. Meine Motivation sinkt, die Stimmung auch. Wir überlegen kurz umzukehren aber wir sind beide hungrig und mitten im Wald wäre das Picknick sehr ungemütlich. Ich muss ganz schön beißen und darf nicht daran denken, dass ich den ganzen Weg auch noch zurück gehen muss. Als wir endlich den See erblicken, kann ich mich gar nicht so freuen und das feine Picknick mit dem Greyerzerkäse kann ich nicht geniessen.


Inzwischen ist es nach vier Uhr und wir haben mit Schrecken festgestellt, dass wir es wahrscheinlich nicht rechtzeitig zurück schaffen werden, um mit der Gondel wieder zurück nach Stratton zu fahren. Wir hoffen mal auf die üblichen amerikanischen Öffnungszeiten, was heissen würde, dass die Bahn mindestens bis acht Uhr abends fährt... :-)

Wir wenden für den Rückweg die Marathon-Taktik von Markus an. Das heisst, wir teilen den Weg in drei Halbestunden... das macht es für mich mental etwas einfacher. Tatsächlich geht der Rückweg ganz gut und ich bin echt happy, als wir nach eineinhalb Stunden wieder aus diesem dunklen Wald herauskommen und zurück beim Turm sind. Nun heisst es rasch auf der Krete zurück zur Bahn und hoffen... Aber wir sehen schon von weitem, dass die Gondeln stehen... Super. So steht uns also noch ein steiler Abstieg unterhalb der Gondel bevor. Mein linkes Knie schmerzt schon länger und ich weiss, dass ich leiden werde beim absteigen. Ich kann nur langsam gehen, denn der Weg über die Wiese ist richtig steil. Mit der Zeit muss ich sogar alle paar Schritte anhalten, so sehr schmerzt das Knie. Markus ist zum Glück geduldig, sucht mir einen Gehstock und stützt mich, so gut es geht.



Kurz vor dem Sonnenuntergang und vor dem Nervenzusammenbruch kommen wir unten an. Ich bin so erleichtert und einfach nur froh, dass ich meine Beine im Auto strecken kann. Das war ein Tag, daran werden wir uns noch lange erinnern...

Sonntag, 5. September 2010

Weiter nach Vermont

Von den White Mountains geht es heute weiter in die Green Mountains. Wir stärken uns beim gemütlichen Frühstück also wieder für die längere Fahrt und sagen Jackson "Bye-Bye". Das Wetter ist auch heute eher durchzogen. Es hat Wolken und ist immer noch frisch. Genau richtig für einen Reisetag.

Auf der Fahrt durch Conway halten wir beim nostalgischen Bahnhof an und haben Glück, dass die alte Diesel-Lok gerade bereit zur Abfahrt steht.




Wir fahren erst noch südlich durch New Hampshire, das uns wirklich sehr gut gefällt. Die Landschaft ist so abwechslungsreich, weil sie immer wieder von hübschen Dörfern und kleinen oder auch großen Seen mit Inseln darin gespickt ist. Einer davon ist der Lake Winniepesaukee, den wir uns von oben anschauen wollen. Der Reiseführer empfiehlt dazu das "Castle in the Cloud", ein rustikales Restaurant auf 230m Höhe über dem Seespiegel. Die Aussicht ist traumhaft. Wir trinken gemütlich einen Kaffee, fahren weiter nach Meredith und wechseln dann auf den Highway 4 Richtung Westen zur Staatsgrenze zu Vermont.

Ich hätte es nicht gedacht, aber man merkt jeweils sofort, dass man in einem anderen Bundesstaat ist. Hier in Vermont sind die Häuser anders, ländlicher. Es scheint uns auch ein bisschen weniger gepflegt zu sein, sogar fast ein bisschen heruntergekommen. Auch die Landschaft ist eintöniger, denn sie beschränkt sich auf Dörfer und Wälder. Am Strassenrand werden häufig Antiquitäten angeboten, manchmal in kleinen Shops, oft aber auch einfach vor dem Haus oder in der Garage. Wir durchqueren das schmale Land von Osten nach Westen und vermuten, das es auf der anderen Seite etwas "zivilisierter" wird. Tatsächlich: je näher wir Manchester, unserem Tagesziel, kommen desto belebter wird die Umgebung.

Wir haben uns nochmal ein Inn ausgesucht: Das Barnstable Inn. Von aussen hat es schon so toll ausgesehen, aber die Besitzer waren gerade nicht da. Wir mussten eine halbe Stunde warten, bis wir wussten, dass wir ein Zimmer bekommen und bis wir das Ganze auch von innen anschauen konnten. Aber das Warten hat sich gelohnt.



Den Mexikaner, den wir eigentlich fürs Dinner vorgesehen hatten, haben wir nicht auf Anhieb gefunden. Spontan halten wir bei einem Lokal an, das von aussen schon interessant aussieht. Tatsächlich ist es was ganz besonderes. Man diniert inmitten von Antiquitäten, welche hier nebst Holzofenpizza und türkischen Spezialitäten zum Verkauf angeboten werden. Ein tolles Konzept, wir sind begeistert!

Samstag, 4. September 2010

Wolken und Wind

Über die spezielle Atmosphäre der Country Inns in Neuengland haben wir viel gelesen. Vorallem auch im Reisebericht von Franziska und Jürg, den wir immer wieder gerne zu Rate gezogen haben. Oft habe ich (dank i-Pad sogar während der langen Auto-Fahrten) Markus daraus vorgelesen und wir haben uns amüsiert ob der Vorstellung, wie Franziska sich über Blümchentapeten und Kamin im Zimmer freut, während Jürg sich überlegt, wie er wieder auf das hohe Bett kommen soll :-) Vielen Dank und einen lieben Gruss an dieser Stelle an die beiden! Auch wir haben einen (elektrischen) Kamin im Zimmer und ins und aus dem Bett zu steigen ist immer eine Herausforderung! Wenn man auf dem Bettrand sitzt baumeln die Füsse jedenfalls noch in der Luft... Zum Frühstück wird man bedient, nur Kaffee und Saft gibt's vom Buffett. Markus kriegt wie bestellt seine Eggs mit Broccoli und ich einen feinen Blueberry-Pancake.... Mmhhh! Die selbstgebackenen Zucchini-Chocolate-Muffins nehmen wir mit auf den Weg.

Der Plan heute: Gipfel des Mount Washington! Noch offen: selber fahren (und einen Kleber "this car climbed Mt. Washington" angebracht bekommen) oder mit der "cog", der ältesten Zahnradbahn der Welt, hochzufahren. Markus wäre für Letzteres, was mir aber nicht so geheuer ist. Diese Bahn kriecht mit teilweise 37 Grad Steigung auf den Berg!! Wir beschliessen, uns das erst mal genauer anzusehen. Bei der Fahrt aus Jackson raus kann ich gleich noch die wunderschöne Covered Bridge knipsen, die den Dorfeingang ziert.

Auf der malerischen Crawford Notch Road (302) fahren wir direkt in die White Mountains hinein. Spontan halten wir an einem kleinen See, denn die Kulisse mit Berg, Wald und blauem Himmel ist ein Foto wert. Während Markus den besten Aussichtspunkt sucht, beobachte ich die süße Entenfamilie im See. Plötzlich sehe ich am linken Ufer einen Elch durchs Wasser waten. Ausser mir scheint es noch niemand bemerkt zu haben und ich schaue noch mal hin! Doch, es ist tatsächlich ein Elch. Ich gebe Markus ein Zeichen, und er kann ein paar Bilder schiessen. Kurz darauf entdecken die anderen Touristen den hübschen Besucher und die Kinder rennen auf ihn zu. Da ergreift er natürlich die Flucht... das war's! Aber wir haben ja ein Foto ;-)

Ein paar Kilometer weiter in Bretton Woods erscheint erhaben und prächtig, wie im Reiseführer beschrieben, rechter Hand das Mount Washington Resort. Das 1902 eröffnete Hotel wurde nach dem zweiten Weltkrieg bekannt, als namhafte Politiker hier den Internationalen Währungsfonds gründeten und der US-Dollar als Leitwährung festgelegt wurde. Das heutige Four-Seasons-Haus liegt wunderschön am Fuss des Mt. Washington, dessen Spitze heute von dicken Wolken bedeckt ist. Wir sehen die steile Bahn, sie führt direkt in die Wolken. Optimistisch hoffen wir auf einen Windstoss, der sie wegbläst und schauen uns inzwischen das eigentliche Skigebiet von Bretton Woods an. Mit einem Zweiersessel fahren wir hoch und sehen künstlich angelegte Pisten und etliche Vorrichtungen für Schneekanonen von oben. So macht man das hier in Amerika.

Vom Gipfel können wir den berühmten Berg und das Resort schön sehen. Die Wolken sind aber immer noch da, trotz des frischen Windes, der inzwischen eingesetzt hat. Nach dem Lunch im Bergrestaurant wandern wir gemütlich zurück zum Auto.


Wir verschieben die Bergerklimmung erstmal und fahren über das Franconia Notch (= Tal). Allein hier gäbe es genügend Stopps für einen ganzen Tag einzulegen. Alle paar Kilometer stehen Hinweisschilder an der Strasse.

Wir halten bei Le Basin und verbringen eine Stunde in diesem Märchenwald mit dem idyllischen Bächlein.



Über den Kangamasus Pass fahren wir wieder Richtung Jackson zurück, natürlich nicht ohne auf der Passhöhe ein paar schöne Fotos zu schiessen.
In Conway soll es eine Mall mit Outlet-Läden geben, das lassen wir uns nicht entgehen. Wir sind überrascht wie gross und kundenfreundlich die vielen Läden sind und die Qualität der Ware macht einen super Eindruck. Wir geben uns der Kauflust hin und kommen mit einigen Taschen zurück.

Ein weiteres typisches Amerika-Dinner im Pizza-Hut bildet den Abschluss dieses erlebnisreichen Tages.

Freitag, 3. September 2010

Szenenwechsel: White Mountains

Es tut ein bisschen weh, vom wunderschönen "The Bayview" Abschied zu nehmen. Es war eine tolle Zeit hier. Aber der Zeitpunkt ist schon der Richtige. Es ist ein Sturm angesagt, der sich gegen heute abend der Küste entlang austoben soll. Also machen wir uns lieber auf den Weg ins Landesinnere.




Vorher wollen wir uns aber noch das bekannte Lighthouse im Süden von Mount Desert Island anschauen. Wir sind früh unterwegs und kommen problemlos durch den Verkehr. Diese Insel ist einfach wunderschön. Man könnte alle paar Minuten anhalten und fotografieren.

Beim Leuchtturm klettern wir über die Klippen und finden eine tolle Perspektive, um zu fotografieren. Zugegeben, man hat sich diese Sehenswürdigkeit etwas grösser vorgestellt, aber er schaut doch ganz nett aus.

Nun steht uns die vierstündige Fahrt in die White Mountains bevor. Die Landschaft verändert sich mit jeder Stunde merklich. Von wildromantisch am Meer zur grünen Wald- und Hügellandschaft von New Hampshire. Je näher wir unserem Tagesziel Jackson kommen, desto höher werden die Hügel. Irgendwann können wir den Mount Washington dann auch sehen, welcher mit 1917m der höchste Berg des Nordostens der USA ist. Nicht mal 2000m, möchte man als Schweizer denken... aber der Berg ist tatsächlich beeindruckend. Wir finden schnell ein Hotel in Jackson und scheinen wieder ein glückliches Händchen gehabt zu haben. Das "Inn at Jackson" ist ein charmantes Bed&Breakfast, unser Zimmer allerliebst romantisch. Eigentlich ist das nicht so unser Ding... aber hier passt es einfach! Wir geniessen es jedenfalls und freuen uns darauf, uns nach der langen Fahrt auf diesem schönen Bett auszuruhen.

Unser Dinner im örtlichen Steakhouse war sehr unterhaltsam und so richtig typisch amerikanisch. Das Restaurant war proppenvoll, wir mussten etwa 20 Minuten warten. Man wird mit einem Buzzer ausgerüstet, der surren wird, sobald ein Tisch bereit ist. Also setzen wir uns an die Bar, trinken ein Bierchen und schauen ein bisschen US-Open auf einem der 32 Plasma-Bildschirme mit 72cm Bildfläche ;-) Das Surren erschrekt die ganzen Gäste an der Bar, so laut ist es. So richtig erstaunlich wird es dann aber, als wir zu unserem Tisch geführt werden. Der Ess-Saal gleicht von der Grösse her einer Turnhalle und 99% der Anwesenden sind Familien mit 3-6 Kindern! Wir kommen an ein paar Tischen vorbei, an welchen keine Leute mehr sitzen, sondern nur noch das, was sie zurückgelassen haben. Berge von Tellern, Gläsern, Servietten, leeren Ketchup-Flaschen... Wir brauchen einen Moment, um uns anzuklimatisieren. Markus meint, das passe schliesslich zu unserem Familien-Wagen. Also stellen wir uns auf einen Familien-Abend ein! Schlussendlich esse ich meine Baby-Back-Ribs mit Genuss und Markus verdrückt ein saftiges Angus-Steak! Welcome in America!